Perfektionismus ablegen bei der Arbeit
Du feilst nach, entscheidest spät und gibst wenig aus der Hand. Woran du Perfektionismus erkennst, was er dich kostet und wie du wieder wählst, wann etwas perfekt sein muss.

Für gewisse Dinge brauchst du unglaublich lange, und entsprechend gross ist der Aufwand. Delegieren heisst für dich, es nachher selber zu korrigieren. Fertig ist selten fertig.
Kennst du das? Dann sitzt bei dir sehr wahrscheinlich ein Antreiber am Steuer: «Es muss perfekt sein.»
Was er dich kostet
«Was ist perfekt? Heute ist es etwas anderes als morgen. Rein aus der Logik kann das nicht gesund sein.»
Auf der Strecke bleiben Tempo, Vertrauen in dein Team und die 80 Prozent, die längst gut genug gewesen wären. Und oft kommt ein zweiter Antreiber dazu. Mach es allen recht, streng dich an, sei perfekt: Diese drei zusammen sehe ich hinter vielen Burnouts.
Bei mir hat er sich auch im Aufschieben gezeigt. Darunter lagen Ängste. Die Angst zu versagen. Die Angst, nicht gut genug zu sein. Die Angst, es nicht zu können. Perfekt musste es sowieso sein. Und natürlich wollte ich es auch noch allen recht machen.
Woher er kommt
Perfektionismus ist einer der fünf Antreiber aus der Transaktionsanalyse. Sie entstehen im Normalfall zwischen 0 und 6 Jahren. Häufig stammen die Limitierungen dahinter aus der frühen Kindheit. Frage dich: In welchem Alter habe ich diese Angst gelernt?
Wie so ein Antreiber entsteht, habe ich am Beispiel ‹Mach es allen recht› beschrieben: Es allen recht machen wollen: woher das kommt.
Was hilft
Wählen, wann es perfekt sein muss. Per se sind die Antreiber nicht gut oder schlecht. Gut ist, wenn ich einen Sowohl-als-auch-Modus habe und entscheiden kann: Jetzt mache ich es perfekt. Viele Sachen müssen nicht perfekt sein.
«Wenn ich eine Homepage mache, dann möchte ich, dass die perfekt ist … professionelle Bilder und die Texte passen. Aber wenn ich da auch spielen kann, dann ist alles für mich okay.»
Das Pareto-Prinzip. Mit 20 Prozent vom Aufwand erreichst du 80 Prozent des Ziels. Super effizient. Du entscheidest, wann es wirklich perfekt sein muss, gibst ab und vertraust deinem Team.
Version one is better than version none. Nimm dir vor, einfach mal für 2 Minuten mit einer Pendenz zu beginnen. Der Einstieg ist meistens das Schwierigste. Diese Hürde einmal übersprungen, geht es meistens wie von selbst.
Bewusst schlecht sein. Ich übe das immer mal wieder. Dann schreibe oder mache ich einfach so schnell wie möglich, ohne viel zu studieren. Ich nehme mir den Druck weg und löse mich vom Resultat, im Wissen, dass das, was da gerade entsteht, ein Prototyp ist. Jeder weiss, dass die erste Version von etwas nie perfekt ist.
Den Antreiber auflösen. Bei mir war das der Game Changer: die Limitierungen dahinter zu erkennen und aufzulösen. Wie stark ‹Es muss perfekt sein› bei dir ist, siehst du im Selbsttest in rund 10 Minuten.
Wo dein Perfektionismus herkommt und wie du ihn auflöst, schauen wir in der Tiefenanalyse gemeinsam an.